Mit ‘Literatur’ getaggte Artikel

Der Erzdichter kommt!

Mittwoch, 10. März 2010

Wie der Archipoeta - der Erzdichter - wirklich hieß, weiß niemand. Über sein Leben ist nichts überliefert als das, was aus seinen Liedern erschlossen werden kann. Und nicht mehr als neun vollständige Lieder und der Anfang eines zehnten sind bekannt, obwohl er - bei diesem Talent! - bestimmt viel mehr verfaßt hat.
Er lebte im 12. Jahrhundert, und die zehn Lieder nehmen alle Bezug auf den Erzkanzler und Erzbischof Rainald von Dassel, dessen Hofdichter der Archipoeta war.
Ganz klar: Der Mann braucht eine Biographie. Und da sie anders nicht zu haben war, habe ich sie geschrieben, ebenso wie die Übersetzung seiner Lieder. Hören kann man dies alles demnächst:

Dienstag, 16. März, 19.00 Uhr, Anno Domini, Steglitzer Damm 5a, 12169 Berlin
Archipoeta - der Erzdichter.
Eintritt 7,00 € / ermäßigt 5,00 €

Das Anno Domini verfügt über einen Rollstuhleingang.

Unser tägliches Gedicht gib uns heute.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Das steht zwar so nirgendwo außer jetzt in diesem Weblog. Aber nachdem Theomix in der Fastenzeit ganz auf das Zitieren verzichten will, weise ich darauf hin, daß ich in der Fastenzeit völlig enthemmt zitiere - jeden Tag ein Gedicht.

Original und Übertragung

Freitag, 12. Februar 2010

der Vagantenbeichte sind hier zu hören, als Lockvogel für meine baldigen Veranstaltungen (und weil

Ich habe mit dem Archipoeta bereits mit elf oder zwölf Jahren Bekanntschaft gemacht, als meine Eltern mir eine Schallplatte mit Carl Orffs Interpretation der Carmina Burana schenkten. Orff hat nur einen kleinen Teil der Carmina Burana und nur einige Strophen der Vagantenbeichte vertont, wie ich erst Jahre später begriff, aber seine Musik ist wirklich genial. Ich wagte mich als Jugendliche an einen ersten Nachdichtungsversuch jenes Teils der Vagantenbeichte, später auch an eine Übertragung ins Französische.

Die sehr texttreue Übertragung des gesamten Werkes des Erzpoeten unternahm ich viel später. Genauer muß ich sagen: der erhaltenen Lieder; ich gehe davon aus, daß ein Dichter dieses Kalibers weit mehr geschrieben hat als neun vollständige Lieder und einen Liedanfang. Leider ist von aller Literatur vor der Erfindung des Buchdruckes nur ein kleiner Bruchteil erhalten; Wasser, Pilzbefall, Feuer und Mäuse haben das meiste zerstört. Von der Vagantenbeichte gibt es drei erhaltene Abschriften - und dabei wurde dies umwerfende Lied vermutlich in den europäischen Universitäten von Prag bis Salamanca gesungen.

Wider die Sprachverhunzung

Sonntag, 07. Februar 2010

Ich habe keine Geduld mehr mit Sprachverhunzern.
Jeder, der sich öffentliche in einer mir bekannten Sprache äußert mit dem Anspruch, diese Sprache in gebildeter, gepflegter Weise zu brauchen, muß damit rechnen, daß ich seine Grammatik- und Stilfehler bekanntgebe. Niemand erwarte Schonung!

Über falsche Imperativbildungen habe ich schon an anderer Stelle gemault. Komme mir da bitte keiner mit oberschlauen Bemerkungen über den Wandel der Sprache oder gar Dönnekens über ungebildete, aber herzergreifend gute Dichter! Es ist nichts dagegen zu sagen, in einer Sprache, die man nicht recht beherrscht, zu schreiben - im Gegenteil, das ist eine gute Art, sie zu lernen. Sehr viel aber ist dagegen zu sagen, wenn der dilettantische Autor sein Werk unkorrigiert als Literatur verkaufen will (was täglich geschieht) - und wenn er gar seine mangelnde Begabung als Genialität verkauft, indem er Menschen, die auf formale Mängel achten, als minderbemittelte Erbsenzähler hinstellt.

Ferner ist die Tatsache, daß Kitsch von einer großen Zahl Menschen gelesen wird, kein Argument für die Existenzberechtigung klebrig-triefender Machwerke. Wäre es ein Argument, so wäre auch das Vorhandensein von Mord zugleich seine Legitimierung.

Hugh, ich habe gesprochen.

Grammatisches Gegrantel

Samstag, 16. Januar 2010

In letzter Zeit häufen sich falsche Imperative. An einem hier ungenannten Netzort fiel mir das besonders auf, aber dieser Ort steht für tausende.

Werf nicht den ersten Stein ist dabei das schmerzlichste Exemplar, dicht gefolgt von Gebe hin, was du hast - bei diesen Beispielen stört mich besonders der ungekonnt altertümelnde Stil, der sich an lutherscher Sprachgewalt orientieren will, ohne es im entferntesten zu können.
Treffe dich nicht mit Fremden ist auch hart; das angesprochene Kind wird diesen Deutschfehler womöglich verinnerlichen.

All das wäre nur halb so schlimm, wenn auf Berichtigung solcher Sprachvergehen an einem sich literarisch gebenden Netzort nicht mit dem Vorwurf der Besserwisserei und Arroganz reagiert würde. Wenn nicht der Hinweis, daß werf kein Imperativ ist, den Vorwurf der Heuchelei nach sich zöge (überwältigend unlogisch, aber nicht meine Schuld).

Die Sprache kann sich nicht verteidigen; sie wird von keinem Gesetz geschützt. Sie ist dem Walten einer wachsenden Flut von Möchtegern-Autoren hilflos ausgeliefert, ist schon verstümmelt und blaß, wird täglich vor aller Augen vergewaltigt.
Zwar gibt es zum Glück auch viele gute und hervorragende Autoren. Aber wenn die Mehrzahl der Leser und die Mehrzahl der Autoren sich nicht um grammatische Regeln schert, wird die Sprache irgendwann durch demokratischen Beschluß hingerichtet, und mit ihr das Denken.

Bitte, lieber Leser, wirf und triff, gib und nimm, kimm und so - äh - komm und sieh. Stiehl keine Stelen, und schlag die Sprache nicht tot, das tut man nicht.

Argonautica

Samstag, 02. Januar 2010

Guten Tag, ich bin die Neue.

Sylvia hatte die Freundlichkeit, mich um einen Einstiegsbeitrag über mein Hörbuch zu bitten. Das nehme ich zum Anlaß zu vollkommen unverfrorener Werbung.

Die Verse des Apollonios Rhodios in der Verdeutschung durch Thassilo von Scheffer dienten mir als Vorlage zu meiner Neufassung der Sage, die ich aus dem Blickwinkel der Muse  Kalliope erzähle, der Mutter des Sängers und Argonauten Orpheus.
Die Idee zu einer Neufassung der Argonautika hat mit meiner Teilnahme an der Gestaltung eines Internetspieles zu tun. Ich wurde damals beauftragt, für die Spieler die Argonautensage vorzutragen. Die Fassung blieb mir überlassen, und ich sah mich vor dem Problem, daß ich Gustav Schwabs Version – die jede Bücherei hat – nicht mag und das einzige in Berliner Büchereien existiert habende Exemplar einer Apollonios-Übertragung verschollen ist. (Nun habe ich es längst antiquarisch, die Langfassung war mit intensiver Apollonios-Lektüre verbunden - aber damals mußte es sehr schnell gehen, und ich war auf Sekundärliteratur angewiesen.) Dem Frevler, der wertvolle Büchereibestände verschlampt oder gar stiehlt, muß ich dankbar sein - denn ohne ihn hätte ich mich zu dieser Arbeit vermutlich nicht bequemt und eine Menge nutzlosen, aber genußbringenden Wissens nicht erworben.
Die Version, die ich damals - und dann noch öfter - vortrug, ist kürzer, das ausführlichere Hörbuch entstand auf Anregung mehrerer Hörer.

Hier ein kleiner Eindruck davon.

Erhältlich sind die beiden CDs für 14,90 € zuzügl. Versandkosten direkt bei Kalliope sowie in einem der schönsten Läden Berlins, der Buchhandlung Schwericke.


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