Mit ‘Claudia Sperlich’ getaggte Artikel

Sich entschuldigen

Donnerstag, 11. März 2010

Kann man sich entschuldigen?

Angenommen, ich bin verabredet, und dann kommt mir ein wichtiger Grund wie Zahnweh oder Arbeitsamt oder beides dazwischen. Dann kann ich mich selbst ent-schuldigen, indem ich die Verabredung absage und erkläre, daß ich tatsächlich keine Schuld habe, wenn sie verschoben werden muß.

Meistens aber wird der Ausdruck “er entschuldigte sich” völlig falsch gebraucht. “Der Täter entschuldigte sich bei seinem Opfer” ist sprachlicher Nonsense; wer einem anderen etwas angetan hat, kann allenfalls um Entschuldigung bitten - und muß damit leben, daß der Geschädigte sie nicht gewährt.

“Ich entschuldige mich” heißt - außer in Fällen wie dem obengenannten, wo wirklich die eigene Ent-Schuldigung möglich ist - implizit: Ich bin überzeugt, den anderen gar nicht wirklich geschädigt zu haben; er soll sich nicht so anstellen.

Und wie ist das nun mit dem anderen? Kann das Opfer den Täter ent-schuldigen?

Wo jemand einen anderen fahrlässig oder absichtlich geschädigt hat, also an dem anderen schuldig geworden ist, wird durch das Verzeihen des Geschädigten nicht das Geschehene verändert, also auch nicht das Schuldigwerden aufgehoben. Hier kann man ent-schuldigen verstehen als ein Sich-Entfernen vom Gedanken an Schuld und Vergeltung. Das kann sinnvoll nur der Geschädigte, nicht der Schädiger leisten.

Der Erzdichter kommt!

Mittwoch, 10. März 2010

Wie der Archipoeta - der Erzdichter - wirklich hieß, weiß niemand. Über sein Leben ist nichts überliefert als das, was aus seinen Liedern erschlossen werden kann. Und nicht mehr als neun vollständige Lieder und der Anfang eines zehnten sind bekannt, obwohl er - bei diesem Talent! - bestimmt viel mehr verfaßt hat.
Er lebte im 12. Jahrhundert, und die zehn Lieder nehmen alle Bezug auf den Erzkanzler und Erzbischof Rainald von Dassel, dessen Hofdichter der Archipoeta war.
Ganz klar: Der Mann braucht eine Biographie. Und da sie anders nicht zu haben war, habe ich sie geschrieben, ebenso wie die Übersetzung seiner Lieder. Hören kann man dies alles demnächst:

Dienstag, 16. März, 19.00 Uhr, Anno Domini, Steglitzer Damm 5a, 12169 Berlin
Archipoeta - der Erzdichter.
Eintritt 7,00 € / ermäßigt 5,00 €

Das Anno Domini verfügt über einen Rollstuhleingang.

Anfang einer Geschichte

Montag, 08. März 2010

Wer mag, kann das weiterspinnen. Vielleicht wird etwas Gemeinsames draus - und vielleicht auch nicht.

Herr Grauzwierl war der Sohn und Erbe des Börsenmaklers Gernot Grauzwierl und bewohnte die väterliche Villa - ein türmchenbewehrtes spitzbogiges Monstrum aus dem 19. Jahrhundert - alleine, nicht nur weil er keinen Menschen in seiner Nähe haben wollte, sondern auch, weil kein Mensch ihn gern in seiner Nähe hatte.
HERR GRAUZWIERL stand auf dem Messingschild an der Tür. In seiner Jugend mußte er wohl auch einen Vornamen gehabt haben, aber niemand erinnerte sich daran - nicht einmal er selbst.

Navigation durch die Fastenzeit: Zank und Hader

Freitag, 26. Februar 2010

Zank und Hader !

Hier ist Raum, um sich zu streiten!
Bitter zürnende Beschwerden
dürfen hier geäußert werden,
nicht genug kann man drauf reiten!

Friede werde nicht auf Erden
bis ans Ende dieser Zeiten!
Über die Empfindlichkeiten
schnattern wir wie Gänseherden!

Hader, Zank und Streitereien
ohne Schonung, ohne Kürze
geben erst dem Leben Würze,

geben Stoff den Literaten!
Auf, es gilt, des andern Taten
gründlich zu vermaledeien!

Toben, wüten, schreien, stampfen
bis wir aus den Ohren dampfen,
bis die Welt in Asche liegt!

Gegen Juden, Heiden, Christen,
Arbeitgeber, Sozialisten,
daß sein Fett ein jeder kriegt!

Kein Geschwätz sei uns zu öde
und kein Vorurteil zu blöde,
daß es den Verstand besiegt!

Jeder ist der Herr der Rechte,
jeder andre ist der Schlechte -
bis die Welt in Stücke fliegt.

Dann muß man den Schutt wegräumen
und muß neu vom Frieden träumen.

© Claudia Sperlich

Navigation durch die Fastenzeit: Streit

Mittwoch, 24. Februar 2010

Vom Olymp seh ichs gewittern:
Zeus, der Donnerer, macht zittern!
Mythen lehren, daß die Götter
keines echten Grunds bedürfen
um zu streiten – tiefer schürfen
manchen Tag nicht einmal Spötter.

Grollt der Göttervater Zeus
dem, der einst die Menschen machte,
auch noch: ihnen Feuer brachte -
seinem Enkel Prometheus?
Bester, laß die Blitze stecken -
Groll wird die Vernunft nicht wecken.

Gibt es Grund für einen Streit,
bin ich gern dazu bereit.
Grundlos aber sich zu zanken
um die millimeterbreiten
kopfgebornen Sonderheiten,
läßt vermissen die Gedanken.

Was der eine sagt zum Scherz,
das erwidert ernst ein Zweiter
und ein Dritter führt es weiter.
Drauf der Erste faßt ein Herz,
will den andern sich erläutern -
die verstehn es falsch und meutern,

dies sei keineswegs die Wahrheit -
schaffen dann vermeintlich Klarheit,
noch in recht zivilen Tönen.
Dies nun läßt den ersten sprechen:
Nein, mit diesen werd ich brechen!
Spricht der zweite vom Versöhnen,

schweigt der erste grollend still,
und der unentschiedne Dritte
wartet ratlos in der Mitte.
Keiner weiß recht, was er will,
jeder weiß nur, was er hat:
Nämlich Recht. Und nun – Schachmatt.

© Claudia Sperlich

Unser tägliches Gedicht gib uns heute.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Das steht zwar so nirgendwo außer jetzt in diesem Weblog. Aber nachdem Theomix in der Fastenzeit ganz auf das Zitieren verzichten will, weise ich darauf hin, daß ich in der Fastenzeit völlig enthemmt zitiere - jeden Tag ein Gedicht.

Überarbeitung

Mittwoch, 17. Februar 2010

hat zwei Bedeutungen. Erstens: die Folge von zu viel Arbeit. Zweitens: der Vorgang von Arbeit an etwas eigentlich schon Fertigem.
Ich kenne heute beides. Meine Hausseite ist überarbeitet, und ich bin überarbeitet; nun sind wir beide, sie und ich, fertig.
Mir wurde nämlich schon vor geraumer Zeit gesagt, da die meisten meiner Hörer mindestens so alt sind wie ich, ist die Schrift zu klein. Nun ist meine Hausseite schön in Großdruck gehalten. Und auch sonst wahnsinnig ästhetisch, jedenfalls in den Augen solcher Fossilien wie ich eines bin.
Kommt und schaut.

Feuergeist zur Fastenzeit

Mittwoch, 17. Februar 2010

Schaut und hört:

Hilde gefällt mir.

Klienten, Kunden und das Volk

Dienstag, 16. Februar 2010

Bei der Lektüre von Theodor Mommsen, Römische Geschichte, lerne ich Erstaunliches.
Ein Klient ist, dem Wortsinn nach, ein Höriger. Ob das ein Mensch, der die Hilfe eines Anwaltes braucht, gern hört?
Mir fällt dazu ein: Das Arbeitsamt nennt Leute, die sich zu ihm bemühen müssen, Kunden. Nun ist ja für einen Kunden wesentlich, daß er die Wahl hat und auch zur Konkurrenz gehen könnte. Wäre das Wort Klient hier nicht angebracht?
Und schließlich: Von populus, das Volk, wird abgeleitet populari, verheeren. Daran werde ich künftig immer denken, wenn jemand rechtslastige Töne über das Volk spuckt.

Eine Seite

Montag, 15. Februar 2010

dieses phänomenalen Weblogs heißt nicht anders als Eine Seite und ist “ein Beispiel einer statischen WordPress-Seite”. Langweilig.
Um sie mit Sinn zu füllen, schlage ich vor, daß jeder, der hier mitmacht, sich darauf vorstellt. Man könnte die Seite dann umbenennen in “Wir Eigentlichen” oder so und die Kommentarfunktion für genau diese Seite schließen, damit nicht so viel dummes Zeug geredet wird (oder die Kommentarfunktion offenlassen, damit mehr dummes Zeug geredet werde).
Fürstin Sylvia müßte natürlich den Anfang machen, Ministerin Arienna folgen; das Fußvolk kommt darunter.
Was meint Ihr dazu?


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