Es ist Eigentlich wie jedes Jahr.

Laubfrosch in Plastikkübel
Ein Frosch hat sich unbemerkt in meinem Tiefhof eingenistet, und es ist wie jedes Jahr, dass mich fast der Schlag trifft, wenn ich ihn zum ersten Mal seh. Diesmal war die Situation keinesfalls vorherzusehen, da ich Eigentlich nur einen kleinen Wasserkübel auf die Seite rücken wollte und da saß er drin, im glasklaren Wasser.
Nachdem ich mich von meinem ersten Schreck erholt hatte, überlegte ich, ob der da wohl freiwillig drinnen sitzt, einerseits ist der Kübel nämlich eher klein und andererseits wußte ich ja nicht, ob ein Frosch nicht einen gewissen Absprungwinkel braucht, um loszuhüpfen, den aber der Kübel nicht bietet und er deswegen hockt, wo er eben hockt.
Gefangen oder nicht, das war hier die Frage.
Ich hab dann – wie es sich für einen Menschen des 21. Jahrhunderts gehört – die Situation gegoogelt und dabei herausgefunden, dass Frösche in eine Art Unterwasserwinterstarre (oder so ähnlich) fallen (können), aus der sie auch nicht auftauchen müssen, denn sie atmen dann über die Haut.

Froschgrün
Aha. Jetzt war ich so g’scheit wie vorher, ich wußte nämlich nicht, ob es dem Frosch möglicherweise schadet, wenn ich ihn einfach ausschütte. Ich mein, er würde zwar in eine recht nette Landschaft entlassen werden, aber das seh vielleicht nur ich so ?

Absprungschanze
Ich hab dann beschlossen, ihm die Wahl zu lassen.
Das fand ich fair.
Ich kippte dann also den Kübel so halb ins Grünzeugs, das sich in meinem Tiefhof befindet, in der Hoffnung, dass er dann wissen würde, was zu tun sei – also, aussteigen oder nicht auszusteigen aus seinem Kübel.

Dschungelfrosch
Um es kurz zu machen: Am nächsten Morgen war er dann weg. Also, nicht ganz, denn er kann aus dem Tiefhof allein nicht raus. Im Frühling, wenn das Wetter wieder besser ist, setz ich ihn dann aus.
Aber bis dahin hat er es – im Vergleich zu anderen Fröschen auch nicht schlecht, denn seine unterirdische Landschaft sieht so aus …
Was mir der Frosch alle Jahre wieder sagen will, weiß ich nicht, ich werde mir mal überlegen, jemanden zu fragen, dem ich diesbezüglich eine Deutungshoheit zubillige
Ich stell meinem Frosch mal einen Kollegen aus Australien zur Seite, damit ihm nicht so fad ist.
Vielleicht wird aus meinem Frosch ja auch so ein Mediationsmodell, wer weiß ?

Frosch von Bernhard Moestl
Sylvia