Lears Onkel

Gestern habe ich Edward Lears ergreifende Ballade über das abenteuerliche Leben seines Onkels ins Deutsche gebracht. Wahrlich lesenswert!

Was meinem Onkel Arly geschah

Onkel Arly, unvergessen!
Der auf Gerstenstroh gesessen
Stundenlang in Nacht und Ruh,
In des Blätterdickichts Stille,
Auf der Nase eine Grille,
Bahnfahrschein in Hutes Hülle
(Aber viel zu eng die Schuh).

Jung verprasst er seine Habe,
Und er ging am Wanderstabe
Bis zum fernen Löffelberg.
Und zur goldnen Abendsonne
Schaut er täglich voller Wonne,
Sang: „O Welt, du Wunderzone!
Staunenswertes Wunderwerk!

Wie die Völker alter Zeiten
Lebte er auf Bergesweiten
Von der eignen Arbeit nur,
Mal als Lehrer für die Kleinen,
Manchmal auch durch bloßes Weinen
Oder durch Verkauf von kleinen
Flaschen mit Verjüngungskur.

Morgens beim Spazierengehen
Sah durch windbewegte Schlehen
Er ein weißes Viereck blühn;
War ein Fahrschein Erster Klasse;
Und er kniet, daß er ihn fasse,
Und da sprang auf seine Nase
Eine Grille, erbsengrün.

Niemals, niemals mehr, o nimmer
Ließ die Grille ihn, und immer,
Morgens früh, in Nacht und Ruh,
Teures Kleinod, treu und bieder,
Zirpt sie ihre frohen Lieder,
Was ihn freute immer wieder
(War’n auch viel zu eng die Schuh).

Und in dreiundvierzig Jahren,
Bis die Schuh’ in Fetzen waren,
Durch die Berge immerzu
Ging bald jodelnd er, bald leise,
Bis nach Borley ging die Reise,
In der Ahnen Wirkungskreise
(Aber viel zu eng die Schuh).

Onkel Arly ist im Frieden
Auf dem Gerstenstroh verschieden,
Und man bettet’ ihn zur Ruh
In des Blätterdickichts Stille,
Mit dem Hut als Fahrscheinhülle,
Mit der immertreuen Grille
(Aber viel zu eng die Schuh).

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Eines morgens in Kopenhagen …

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Auch das ist Berlin

Am Pressestrand.

Wenn ich wieder mal in Berlin bin, dann geh’ ich dort hin.

Sylvia

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Wer bestimmt eigentlich, …

… was richtig ist ?

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Übersetzer sind auch nicht besser als Hulatänzer.

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… Joanna Kubica von unserer …

… “Hula Tanz aus Hawai’i” Gruppe auf facebook bringt es auf den Punkt das Foto :grin:

Sylvia

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Im Cafe am Markt in Schwäbisch Hall …

Wenn man in Schwäbisch Hall zu Besuch ist, sollte man dem Cafe am Markt unbedingt einen Besuch abstatten. Der Platz ist kraftvoll, die Tortenvitrine vor Ort auch. :grin:

Wir hatten uns an jenem Nachmittag für Eis entschieden, das praktischerweise gleich in einem Suppenteller serviert wurde. Marille war’s.

Die Michaelskirche steht imposant da und stellt jetzt, wo wieder Festspielzeit ist, ihre Treppe für diverse Aufführungen zur Verfügung. Da wird tatsächlich auf den Stufen gespielt !

Sylvia

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IRGEND

Dreh Dich nicht um, dreh Dich nicht um!
Es geht ein Irgendwas herum!
Ein Irgendwas wirkt irgendwie,
dafür auch nirgends sowie nie.

Drum weilt dem Irgendwas schon lange,
bisweilen wird ihm Angst und Bange,
und es beginnt zu überlegen,
Irgendwie etwas zu bewegen.

Irgendwie gleichfalls höchst irritiert,
findet Irgendwas uninspiriert,
darauf sie irgendwohin gehen,
dort wird man dann schon weiter sehen.

Im Irgendwo gut angekommen,
wirkt alles deutlich klar verschwommen.
Pünktlich genau um irgendwann
sieht Irgendwie Irgendwas an.

Sie weilen, starren, alles steht,
dann wird’s selbst Irgendwo zu blöd,
fragt: ‚Wann geht’s weiter?’, zweimal, dreimal,
bis sie dann seufzen: ‚Irgendeinmal’.

Irgendwo draufhin Irgendwann
zuzwinkert, mit dem Plan,
irgendwoher die Kraft zu nehmen,
Irgendwas Irgendwie wegzugrämen.

Er schnappt sie beide irgendwann,
Irgendwas sogar wundersam,
erklärt den beiden – irgendwie kleiner -:
‚Wir gehen jetzt zu Irgendeiner!’

Sie alle suchen Irgendwen,
dem wird das auch gleich unbequem,
weil sie ihn fragen, fragen, fragen,
Irgendwer wollte Irgendwas sagen,

doch fragn sie weiter: ‚Warum auch immer?’,
das machte alles gleich noch schlimmer.
Irgendwer zuckt dann mit den Ohren,
fühlt sich bedroht wie neugeboren,

schließlich breit grinst, die Zähne leckt,
hat er irgendwas ausgeheckt:
anstatt sie alle rauszuschmeißen,
lädt er sie ein, mit ihm zu speisen.

So kam es dann, das Irgendwer
Irgendwo und auch – bitte sehr –
Irgendwas Irgendwie verköstigt,
mit vollem Mund warn sie nicht lästig.

Dreh Dich nicht um, dreh Dich nicht um!
Es geht ein Irgendwas herum!
Das wirkt irgendwo irgendwie
irgendwann – meistens jedoch nie.

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Die Teetasse

Es war einmal eine blau geblümte Teetasse, die war aus der Mode gekommen und außerdem behindert, denn sie hatte nach einem schweren Sturz einen Sprung und keinen Henkel mehr. Deshalb stand sie nicht mehr im Vitrinenschrank oder auf dem Teetisch, sondern unter einem Heizungsventil, das stündlich zwölf Tropfen Wasser entließ.
Tropfenweis lauwarmes Brackwasser ist schlimm für eine Teetasse, die feinsten Assam und Darjeeling gewohnt ist, den rauchigen Geschmack von Lapsang Souchong schätzt und den blumigen Duft von Earl Grey. Die Diele unter ihr versicherte ihr zwar, sie sei der nettesteTropfenfänger, der ihr jemals das Wasser vom Leibe gehalten habe, aber die Diele war nordische Kiefer und ziemlich astig, und die Tasse fühlte sich von ihrer naturburschenhaften Derbheit peinlich berührt und dankte nur mit herablassender Höflichkeit. Die Heizung war ihr vollends peinlich, sie rülpste und blubberte zuweilen und erzählte unbekümmert von ihren Hitzewallungen und der schweren Verdaulichkeit russischen Erdgases.
Die Tasse schwieg hochmütig und dachte an das zarte Klingeln von Kandis und das schmeichelnde Gefühl, wenn die Sahnetröpfchen sich in ihre feinen Poren schmiegten. Das Wasser tropfte beharrlich in sie.
Plötzlich hörte sie ein leises, wohliges Seufzen in ihrem Inneren. “Hach”, klang es, “hach, hier isses schön.” Die Tasse erschrak. “Wer ist dort?” fragte sie bang, und die zarte, schläfrige Stimme antwortete: “Ich bin da. Hach, isses schön.” “Wer sind Sie?” fragte die Tasse, “Und wo genau sind Sie?” “Ich bin ich. Ich bin in der nassen Welt.” “In der nassen Welt?” fragte die Tasse, “Meinen Sie, im Wasser?” “Nasse Welt. Nur hier, wo ich bin, ist nasse Welt. Nur wo nasse Welt ist, bin ich.” Die Tasse fühlte einen weiteren Tropfen in sich fallen, und die Stimme seufzte behaglich. “Infusorium”, sagte sie. “Ich bin das. Ein Infusorium.”
“Ich bin eine Teetasse”, sagte die Teetasse, “und ich habe schon oft Nässe aufgenommen und abgegeben. Aber einem Infusorium bin ich dabei noch nie begegnet.” “Manche Nässe ist heiß”, sagte das Infusorium. “Die mag ich nicht.” “Guter Tee muß kochend heiß sein”, dozierte die Tasse. “Nässe muß lau sein”, widersprach das Infusorium. “Lau ist gut.”
Die Tasse schwieg. Das Infusorium schien nicht besonders gewitzt zu sein, die Diele war ein Prolet, und sie hätte lieber einen Hammer als die Heizung in ihrer Nachbarschaft gehabt. Sie schwieg und langweilte sich mehrere Tage lang. Das Infusorium seufzte gelegentlich wohlig, die Diele knarzte ein paar Worte über die unermeßlichen Wälder, zu denen sie ursprünglich gehörte, die Heizung blubberte freundlich, und ganz selten meldete sich sogar die zarte Stimme des Erdgases, das aber stets nur sagte “Hach, hach… Erdentiefe… hach…” (und dagegen war das Infusorium noch spritzig).

Irgendwann kam der Klempner und wechselte das Heizungsventil aus. Das neue Ventil war streng und hielt dicht, und die Tasse landete gemeinsam mit dem alten Ventil im Müll. Ich glaube aber nicht, daß sie sich noch angefreundet haben. Angeblich soll die Tasse im Mülleimer gesagt haben: Sic transit gloria mundi. Und solche Leute reden nicht mit Heizungsventilen, nicht einmal dann, wenn ihnen der Henkel fehlt.

© Claudia Sperlich

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Man muß nicht alles sagen, …

…. nur weil man es kann.

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