Gestern habe ich Edward Lears ergreifende Ballade über das abenteuerliche Leben seines Onkels ins Deutsche gebracht. Wahrlich lesenswert!
Was meinem Onkel Arly geschah
Onkel Arly, unvergessen!
Der auf Gerstenstroh gesessen
Stundenlang in Nacht und Ruh,
In des Blätterdickichts Stille,
Auf der Nase eine Grille,
Bahnfahrschein in Hutes Hülle
(Aber viel zu eng die Schuh).
Jung verprasst er seine Habe,
Und er ging am Wanderstabe
Bis zum fernen Löffelberg.
Und zur goldnen Abendsonne
Schaut er täglich voller Wonne,
Sang: „O Welt, du Wunderzone!
Staunenswertes Wunderwerk!
Wie die Völker alter Zeiten
Lebte er auf Bergesweiten
Von der eignen Arbeit nur,
Mal als Lehrer für die Kleinen,
Manchmal auch durch bloßes Weinen
Oder durch Verkauf von kleinen
Flaschen mit Verjüngungskur.
Morgens beim Spazierengehen
Sah durch windbewegte Schlehen
Er ein weißes Viereck blühn;
War ein Fahrschein Erster Klasse;
Und er kniet, daß er ihn fasse,
Und da sprang auf seine Nase
Eine Grille, erbsengrün.
Niemals, niemals mehr, o nimmer
Ließ die Grille ihn, und immer,
Morgens früh, in Nacht und Ruh,
Teures Kleinod, treu und bieder,
Zirpt sie ihre frohen Lieder,
Was ihn freute immer wieder
(War’n auch viel zu eng die Schuh).
Und in dreiundvierzig Jahren,
Bis die Schuh’ in Fetzen waren,
Durch die Berge immerzu
Ging bald jodelnd er, bald leise,
Bis nach Borley ging die Reise,
In der Ahnen Wirkungskreise
(Aber viel zu eng die Schuh).
Onkel Arly ist im Frieden
Auf dem Gerstenstroh verschieden,
Und man bettet’ ihn zur Ruh
In des Blätterdickichts Stille,
Mit dem Hut als Fahrscheinhülle,
Mit der immertreuen Grille
(Aber viel zu eng die Schuh).
© der Übersetzung: Claudia Sperlich





