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	<title>Eigentliches.com &#187; Ulan Bator</title>
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	<description>Eigentlich ist dies ein Blog</description>
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		<title>AUF DER SUCHE NACH DEN &#8220;ECHTEN&#8221; MENSCHEN</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 05:10:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sylvia</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ulan Bator]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Naturverbundenheit&#8221;, nach wie vor existierende traditionelle Lebensformen und ein bisschen buddhistische Verklaerung als Zuckerguss &#8211; die perfekten Ingredenzien zur Mythologisierung eines &#8220;exotischen&#8221; Volkes. Ein Forschungsbericht. In Ulan Bator wohnten wir in einem durchaus netten Guesthouse, das folgende wohlgemeinte Warnung fuer &#8230; <a href="http://www.eigentliches.com/2009/10/auf-der-suche-nach-den-echten-menschen-geschrieben-von-dieter/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;Naturverbundenheit&#8221;, nach wie vor existierende traditionelle Lebensformen und ein bisschen buddhistische Verklaerung als Zuckerguss &#8211; die perfekten Ingredenzien zur Mythologisierung eines &#8220;exotischen&#8221; Volkes. Ein Forschungsbericht.</em></p>
<p>In Ulan Bator wohnten wir in einem durchaus netten Guesthouse, das folgende wohlgemeinte Warnung fuer seine Gaeste parat hielt: &#8220;Dear guests, if you do not want to be pickpocketted or robbed during daytime on the streets or nearby banks please leave your valuables in your room or free safety box and leave your room key with Zaya.&#8221; <span id="more-4874"></span>Die Warnung vor Taschendieben und anderen kleinkriminellen &#8220;Elementen&#8221; schien ein groesseres Thema in Ulan Bator zu sein, da aehnliche Vorsichtsmassnahmen auch von anderer Seite mehrmals empfohlen wurde. So weit, so unspektakulaer! Mein Interesse wurde erst durch jene Zeilen geweckt, die auf obige Warnung folgten:<br />
&#8220;Try to be on the streets same like local ordinary people, who are poor in materialistic things, but rich in spiritualism and very proud of history and culture of Mongolia.&#8221;</p>
<p>Unabhaengig davon, dass es fuer einen Mitteleuropaeer eher schwierig ist, wie ein Mongole auszusehen und es unwahrscheinlich ist, dass gerade die &#8220;gewoehnlichen&#8221; Leute besonders spirituell sind oder sich als Hobbyhistoriker oder Gelegenheitskulturattaches betaetigen, fand ich den Widerspruch zwischen einer Bevoelkerung bestehend aus kleptomanischen Grossstadtmafiosos und gleichzeitiger spiritueller Intellektualitaet irritierend. Erst zwei Tage spaeter brachte ein nebenbei mitverfolgtes Gespraech der Managerin Zaya mit einem Gast etwas Klarheit. Anscheinend beziehen sich die &#8220;gewoehnlichen&#8221; Leute eher auf die Menschen am Land, die von Zaya als&#8221; real people&#8221;, also als &#8220;echte&#8221; Menschen im Gegensatz zu den degenerierten &#8220;unechten&#8221; Menschen in der Stadt bezeichnet wurden. Offensichtlich ist es von &#8220;unechten&#8221; Menschen zu Taschendieben nur ein kurzer Schritt.</p>
<p>Nach Tagen der Dekadenz in Ulan Bator entstand das natuerliche Beduerfnis, diese &#8220;echten&#8221; Menschen samt ihrer Spiritualitaet in ihrem angestammten Habitat zu entdecken. Zu diesem Zweck buendelten wir unsere finanziellen Kraefte mit einem Englaender und einem Iren, mieteten uns einen russischen Minivan samt Fahrer und Fuehrerin und brachen in die Wueste Gobi auf. Dort erlebten wir gleich die erste grosse Enttaeuschung, denn die Wueste Gobi ist weitgehend leer, Menschen an sich echte Mangelware, von &#8220;echten&#8221; Menschen ganz zu schweigen, denn unser Fahrer, unsere Fuehrerin bzw. all jene Menschen, deren Dienstleistungen wir als Touristen in Anspruch nahmen, jagen ja letztlich dem schnoeden Mammon nach, koennen daher wohl kaum dem Idealtypus eines &#8220;echten&#8221; Menschen entsprechen.</p>
<p>Nach hunderten von Kilometern auf gehirnerweichenden Ruettelpisten durch endlose Weiten ohne einen einzigen Zaun, durch die bluehende Schnittlauchwueste vorbei an furzenden Schaf- und Ziegenherden, durch Canyons gewandert, auf Duenen geklettert, auf unwillige Kamele als hilfloser Passagier aufgeladen und vorbei an Legionen von ausgebleichten Gerippen ehemaliger Veganer, die mit den Ernaehrungsgewohnheiten nomadisierender Viehzuechter schlecht zu Rande gekommen waren &#8211; nach all diesen mongolischen Leckerbissen schien die Zeit reif zu sein, um den &#8220;echten&#8221; Menschen gegenueber zu treten. Wir waren an diesem Tag schon lange unterwegs gewesen, hatten uns moeglicherweise ein klein wenig verfahren, niemand hatte mehr Lust, das Zelt irgendwo im &#8220;Nichts&#8221; zu plazieren, der Sturm tobte und schwarze Regenwolken trieben zuegig auf uns zu, wie angenehm waere eine schuetzende, kuschelige Jurte!</p>
<p>Ein Bett waere gar nicht notwendig, ein Teppich wuerde voellig ausreichen, getrocknete Fleischteile, hunderte von Fliegen, vergorene Stutenmilch, selbst getrocknetes Joghurt haetten wir ertragen, wenn wir ein im Sturm flatterndes Fetzenzelt mit einer stabilen Jurte eintauschen haetten koennen. Fahrer und Fuehrerin entdeckten zwei Jurten in der Distanz, fuhren vor und blickten in einige skeptische bis feindseelige Augenpaare. &#8220;Habt ihr einen Platz zum Schlafen fuer uns, es ist schon spaet und ein Unwetter zieht auf. Eure zweite Jurte sieht doch leer aus.&#8221; &#8220;Ja, das stimmt schon, aber das ist die Jurte fuer das Brautpaar fuer die morgige Hochzeit. Es ist bereits alles hergerichtet. Tut uns wirklich leid.&#8221; Na gut, das ist natuerlich Pech. Und dem Brautpaar die Jurte zu versauen, das kann man nun wirklich nicht machen. Also fuhren wir weiter, einzelne Jurten sowieso unbrauchbar, wo war die perfekte &#8220;Doppeljurte&#8221; und die sprichwoertliche mongolische Gastfreundschaft? Naechste Jurte, aehnliches Bild: Mit spaeten, nicht geladenen Gaesten schien man hier wenig Freude zu haben. &#8220;Nein, tut uns leid, wir erwarten noch Gaeste, sie sollten eigentlich schon laengst hier sein.&#8221;</p>
<p>Im Reisefuehrer stand, dass Gastfreundschaft eine &#8220;Ueberlebensnotwendigkeit&#8221; in der Mongolei sei, da in Abwesenheit von konventioneller Reiseinfrastruktur die selbstverstaendliche Aufnahme und Verkoestigung in einer Jurte unabdingbar ist. Tja, entweder hatten wir einfach nur Pech gehabt oder keine &#8220;echten&#8221; Menschen getroffen oder die Jurteninhaber hatten erkannt, dass WIR keine &#8220;echten&#8221; Menschen sind, moeglicherweise sogar Taschendiebe aus der Stadt, somit nicht berechtigt, die selbstverstaendliche Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Somit blieb uns nichts anderes uebrig, als unser Zelt im Schutz einer hundert Kilometer entfernten Huegelkette aufzustellen und zu beobachten, wie der Wind kreative Hausformen aus unserem Kuppelzelt fabrizierte, indem er die Zeltstangen einem ernsten Flexibilitaetstest unterzog. Damit bleibt eigentlich nur mehr die Wahl zwischen den Taschendieben aus Ulan Bator und den unfreundlichen Landeiern, die dir die Jurtentuer vor der Nase zuknallen, allesamt moeglicherweise nicht &#8220;echt&#8221;, aber zutiefst menschlich.</p>
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