“Und jedem Labern wohnt ein Zaudern inne…”

- Minipamphlet anlässlich des 50. Todestages von H. Hesse -

Zwischen 16 und 26 habe ich ihn verschlungen, war begeistert: Vor allem Demian und Der Steppenwolf hatten es mir angetan.

Dabei hatte er sich gerade beim Steppenwolf gewundert, warum junge Erwachsene ein Buch bejubelten, das ein Fünfzigjähriger für Menschen desselben Alters geschrieben hatte.

Dessen eingedenk griff ich als Endvierziger wieder zu Hesse – und war wie vor den Kopf gestoßen: Was hatte mich damals eigentlich begeistert? So viel Schwulst, kaum auszuhalten. Und der Mann hat nur ein Thema: Sich selbst. Und das ziemlich exzessiv. Enttäuscht legte ich Hesse beiseite.

Da schien mir doch seine Entscheidung, nach dem Glasperlenspiel nichts mehr zu schreiben, weise und freundlich. Stattdessen hat er lieber Briefe verfasst und aufdringliche Fans mit deutlichen Hinweisschildern vom Grundstück vertrieben. Er konnte sich in seinem Ruhm sonnen. Aber dieser Ruhm ist verblasst. Wenigstens für mich.

Noch einmal Hesse lesen? “Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde…”

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15 Antworten auf “Und jedem Labern wohnt ein Zaudern inne…”

  1. Den Steppenwolf fand ich schon damals mehr hochnäsig als gut.
    Mein Seelen-, Leib- und Magen-Buch war lange Zeit Narziß und Goldmund.
    Heute sehe ich Hesses Prosa teilweise durchaus hart am und zuweilen mitten im Kitsch. Aber ich finde seine Gedichte großenteils immer noch wundervoll.

    • theomix sagt:

      “Mitten im” finde ich ihn. Oder “daneben”. Poesie: kenne ich nicht genug. Das verarbeitete Gedicht hier ist durch zu häufigen Gebrauch zertreten…

  2. Sylvia sagt:

    Wir mussten den Steppenwolf in der Schule lesen.

    Mir geht es oft so, dass ich Literatur oder auch Filme von damals hernehme und nicht mehr nachvollziehen kann, was ich da jemals dran gefunden habe.

    Vielleicht spachteln manche Literaten oder Regiesseure einfach den *grad aktuellen Lebensweg* ein bissi mit und dann geht man aber weiter.

    Andere wieder empfinde ich als zeitlos. So hat mich Kafka durch die Deutschmatura begleitet; der hat für mich nichts von seinem teils düsteren Sprachzauber verloren.

  3. Erika sagt:

    Sein Gedicht “STUFEN” gefällt mir EIGENTLICH , ich kann mir es immer wieder einmal durchlesen (Zufall ? ein Satz daraus steht sogar auf der Geburtstagskarte , die ich an tmp geschickt habe )
    DEINE Ableitung ist auch nicht schlecht :lol:
    “Narziß und Goldmund” haben wir in der Schule auch gelesen…
    im Abitur waren die “Physiker” von Dürrenmatt Thema:
    “Was sich dem Paradoxen gegenüberstellt, setzt sich der Wirklichkeit aus”…
    ” nehmen Sie zu diesem Satz Stellung….”
    diesen Satz habe ich bis heute nicht vergessen

  4. mialieh sagt:

    Ich fand Hesse schon mit 16/17 mal gut, mal schlecht. Nach dem ich Narziss und Goldmund und die Märchen verschlungen hatte und meine Welt nach ersterem Buch einzuteilen pflegte, schlief ich über Siddartha ein, Steppenwolf habe ich mal halbherzig begonnen, aber nicht zünde gelesen. Dagegen fand ich “Unterm Rad” vor ein paar Jahren interessant, als ich mich mit Schülerbiographien befasst habe.
    Also ähnlich wie es dir mit Hesse ging, ging es mir neulich mit Simone de Beauvoir. Ich habe sie gelesen: zwischen 18 und 28, wieder und wieder. “Die Mandarins von Paris habe ich drei Mal gelesen.” Als ich 40 wurde, nahm ich das Buch noch mal zur Hand. “Mein Gott” (Sorry theomix :grin: dachte ich). “Was für selbstherrliche, selbstverliebte, arrogante Bohémians,” dachte ich :evil: . Vielleicht haben manche Bücher eine bestimmte Funktion und Bedeutung zu einer bestimmten Zeit im Leben. Man erwartet dann später zu viel von ihnen, weil man sich die gleiche Begeisterung wieder erhofft. Vielleicht konnte es die aber nur mit 18, 19 oder 20 in der Form geben…

  5. Mich hat “Siddhartha” in jungen Jahren sehr angesprochen – wirklich wunderbar und ein schöner Einstieg in die Befassung mit buddhistischem Denken.

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